Cartoonisten auf Baltrum
Der dritte «Inselwitz»
Von Michael Holtschulte
Wenn man im Kontext des COMIC!-Jahrbuchs das Wort «Inselwitz» liest, denkt man mit hoher Wahrscheinlichkeit zuerst an das klassische Cartoonthema: einsamer Mann, Palme, Flaschenpost. Sicherlich genauso ein Dauerbrenner wie die Situation mit dem Patienten auf der Couch und seinem Therapeuten, zu oft gesehen und reichlich abgenutzt. Insofern spricht die Namensgebung des «Inselwitzes» auf Baltrum sehr für den (im positiven Sinne) absurden Humor des Initiators und ein gewisses Maß an Understatement. Denn abgenutzt ist diese Veranstaltung mit Sicherheit nicht. Dafür ist sie aber auf dem besten Wege, von einem Geheimtip zu einem Klassiker zu werden, denn in der Summe ihrer Einzelteile gibt es deutschlandweit wenig Vergleichbares.
Wo kann man sich auch sonst eine Woche als Cartoonist in Urlaubsatmosphäre am Strand mit Kollegen austauschen, entspannen, Inspiration tanken und fast wie von Zauberhand eine Masse an Ergebnissen entstehen lassen, so daß es am Ende schwerfällt, aus dem entstandenen Fundus die besten Arbeiten für die abschließende Ausstellung auszuwählen?
Genau das dachte sich Denis Metz, ein auf der Nordseeinsel Baltrum lebender Graphiker und freischaffender Cartoonist, der sich mit seiner Figur Herr Schnabulak eine beachtliche Zahl an Fans aufgebaut und dieses Jahr mit «Oppa Was A Rolling Stone» sein erstes eigenes Buch bei Lappan herausgebracht hat.
Metz ist Wahl-Baltrumer. Der gebürtige Sauerländer ist schon seit vielen Jahren mit der autofreien Insel verbunden, jobbte während des Studiums auf Baltrum und lernte dort später auch seine jetzige Frau kennen. Mit vielen Umwegen über Bonn, Erftstadt und einem Hauskauf im Oberbergischen war letztlich die Asthma-Erkrankung einer seiner zwei Töchter der Anstoß, den gemeinsamen Traum vom Leben am Meer in die Tat umzusetzen, alles zurückzulassen, nach Baltrum zu ziehen und dort eine kleine Pension aufzumachen. Das war im Frühjahr 2009. Ein Horrortrip, wie sich Metz erinnert: von der einen Baustelle in die nächste. Eine absolute Bauchentscheidung aber die beste, die er jemals in seinem Leben in die Tat umgesetzt habe. Zu seinem Glück konnte Metz eine Halbtagsstelle als Graphiker im Marketing der Kurverwaltung annehmen. Zudem schätzt er den Segen des Internets, das es ihm ermöglicht, weiterhin freiberuflich vom Strand aus für seinen alten Arbeitgeber in Köln zu arbeiten. Nicht zuletzt habe er nebenher auch noch genügend Zeit und Muße, Cartoons zu zeichnen und neue Buchprojekte auf die Beine zu stellen, wie er schmunzelnd feststellt.
Der soziale Austausch unter den Zeichnern war ihm schon immer weit über die Arbeit an gemeinsamen Projekten hinaus sehr wichtig. Das führte letztendlich dazu, daß er einige der am Buch «Vorletzte Geräusche» Beteiligten im September 2010 auf die Insel einlud. Jenes Buch hatte er gerade gemeinsam mit Steffen Gumpert beim eigens dafür gegründeten Verlag «weil darum» herausgegeben, und das sollte in einem angemessenen Rahmen gefeiert werden. So stiegen elf Cartoonisten auf die Fähre Richtung Baltrum, um sich für ein verlängertes Wochenende zu treffen, zu zeichnen und die «Vorletzte Ausstellung» zu eröffnen.